Nichts für Klaustrophobiker

Basel
Basler Zeitung. Annina Fischer

Basel. Switzerland

12 September 2004

An der Feldbergstrasse 12 gibt es derzeit eine andere Art der Kunst-Installation zu sehen. Sie zwingt den Besucher in die Knie.

"Get down", der Name der Installation von den Genfer Brüdern Gregory und Cyril Chapuisat, ist wörtlich zu verstehen. Es handelt sich dabei nämlich um eine Art gigantisches Nest, einen Cocon aus Karton, der sich über fünf Räume erstreckt und dessen Eingang kaum grösser als fünfzig auf fünfzig Zentimeter ist. In dem dunklen Labyrinth aus Karton gibt es Räume zu entdecken; im einen sitzt man plötzlich unter einem Sternenhimmel, ein anderer ist babyblau und manchmal enden die schmalen Gänge auch in einer Sackgasse.

Nichts für ängsltiche

"Ich gebe zu, es ist nichts für Klaustrophobiker", sagt Gregory Chapuisat, der mit seinem Bruder Cyril bereits zum dritten Mal eine Installation in dieser Art gebaut hat. «Aber wir haben Geheimtüren turd mittendrin einen `Kontrollturm’ gebaut. Geriete jemand in Panik, würde ich ihn sofort finden.» Tatsächlich trauen sich nicht alle, sich vom Kartonungeheuer verschlingen zu lessen. Aber die, die es wagen, sind glücklich, manche fühlen sich wieder wie ein Kind. Dies sei das beste Kompliment. "Mit `get down’ will ich nämlich gar nichts sagen. Ich möchte, dass die Leute etwas fühlen, das sie sonst nicht erleben", so Gregory.

Von einer Absicht hinter der Installation könne man nicht eigentlich reden. "Die Idee ist aus dem Bedürfnis entstanden, unseren ganz persönlichen Lebensraum zu finden", erklärt Gregory. Nachdem sein Bruder und er sich nach einigen Jahren im Ausland, unter anderem besuchten beide die Kunstschulen in L.A. und London, wieder in der Schweiz getroffen hätten, fanden sie keinen Ort mehr, an dem sie sich wirklich glücklich fühlten. "Die Cocons stellen eine symbolische wort auf diese Suche dar."

Nächste Station Bacelona

Der Eintritt in die andere Welt des Erlebens kostet nichts. "Ich will den Leuten schliesslich etwas geben. Würde ich Geld dafür verlangen, bekäme das Ganze eine Note, die mir nicht gefällt." Für seinen Lebensunterhalt arbeitet der Künstler dafür immer wieder während einem Jahr oder länger als

Grafik-Designer, damit kann er die nächste grosse Installation bezahlen. "Vor wenigen Monaten hat mein Bruder meine Stelle übernommen, dann wird er wohl den nächsten Cocon bezahlen, den wir in Barcelona bauen werden." Vorher entwerfen die Künstler aber noch ein Kinderbuch für eine Genfer Verlag. Um die Geschichte zu entwickeln, ziehen sich die beiden nächsten Monet zwei Wochen lang in die Berge zurück. "Kein Fernsehen, kein Computer, nichts. Das sind die besten Voraussetzungen", lacht Gregory. Alle weiteren Pläne ändern von Tag zu Tag.




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