Verpuppung im Haus

Basel
Baslerstab. Szene. Florian Huber

Basel. Switzerland

31 August 2004

Das ist es, was uns "Schöner Wohnen" verschwiegen hat: Wie man eine Wohnung in ein Höhlensystem verwandelt, das unsere urtümlichsten Instinkte anspricht.

Ab kommendem Donnerstag präsentieren die "Chapuisat Brothers" an der Feldbergstrasse 12 ihr Werk "Get Down". In zwei Monaten Arbeit haben die Brüder aus Biel mit Recycling-Material eine Untergrund-Erfahrung erschaffen, wie sie sonst nur Wühlmäuse und Termiten zustande bringen.

Noch ragen Zeugen der Zivilisation aus dem Baustofflager, das mal eine Küche war-ein Kochherd, eine Dusche. Doch von der Wohnung wird an der Vernissage nebst der Eingangstür nichts mehr zu sehen sein. "Im Moment arbeiten wir Tag und Nacht. Wir schlafen auch in unserem Bau, sonst ist ja nirgends mehr Platz", erklärt Gregory, der ältere der bereits etwas zotteligen "frères" Chapuisat.

Kokon in Barcelona

Wenn man sie bittet, Gründe für ihr Tun zu nennen, wirken die Höhlenbewohner auf sympathische Weise ein wenig gequält: "Unsere Arbeit ist nicht sehr konzeptionell. Wir funktionieren viel instinktiver." Was fasziniert sie daran? "Es ist das Bedürfnis eines Kindes, das wir in uns drin haben." Also stellen sie ihre Arbeitskraft in den Dienst dieses "inneren Kindes".

Vor zwei Jahren haben sie beschlossen, gemeinsame Projekte zuverwirklichen. Dieser "Kokon" ist bereits ihr dritter. "Wir wollen jedes Jahr einen Kokon bauen - nächstes Jahr in Barcelona."

Projekt ist mit der Fertigstellung Auch ihr jetziges des Baus nicht vollendet: "Nach der Eröffnung wird sich das Gebilde weiter verändern. Die Leute sollen zwei, drei Mal vorbeischauen können und bemerken, dass es sich im mer weiterentwickelt." Klingt alles kinderleicht, doch wie decken sie die Kosten? Gregory: "Wir dürfen die alten Räume von Anneusual benutzen und im neuen Laden umsonst Kaffee trinken. Sonst bezahlen wir alles selbst. Ich habe vorher als Grafiker Geld verdient, bis ich die Schnauze voll hatte - dieses Geld geb ich jetzt aus. Den nächsten Bau muss dam Cyril bezahlen."




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