Nirgendwo wie im Kunstraum

Zürich
Neue Zürcher Zeitung. Ausstellungen Aktuell. MB

Zürich. France

26 May 2007

Eigentlich wollten wir uns umschauen im Pavillon der Berner Stadtgalerie, doch es geht einfach nicht. Ein zusammengenageltes raumfüllendes Pressspangebilde direkt im Eingang versperrt uns das Oben und Unten sowie das Links und Rechts. Wir gehen in die Hocke und schauen mühsam ein wenig um die Ecke, können aber nur feststellen, dass wir hier wirklich nicht weiterkommen. Einen zweiten Eingang gibt es nicht, und so bleibt uns nichts anderes, als wieder hinauszugehen. Hergestellt wurde die sperrige Installation von Les frères Chapuisat aus Genf, die als Künstlerpaar zusammenarbeiten und mit ihren verwirrenden und manchmal erschreckenden architektonischen Interventionen bekannt wurden. Ihre Arbeit ist der dritte Teil des Zyklus «No place like home» von Noah Stolz, die als erste Gastkuratorin für das Projekt Loge der Stadtgalerie engagiert wurde. Alle drei Teile des Zyklus sind architektonische Interventionen im Ausstellungsraum des Pavillons. Sie arbeiten mit dem Raum, verändern ihn und schaffen neue Welten, in denen das offensichtlich Unvereinbare vereint ist. So brachte Andrea Dojimi im zweiten Teil das Innere einer Kapelle mit dem einer Turnhalle zusammen, und Daniel Robert Hunziker presste den Raum zwischen einer eingebauten Ziegelmauer und der Fensterzone zusammen. Allen drei Installationen ist gemeinsam, dass sie den Erwartungen eines Kunstraumes zuwiderlaufen, ihn sogar - wie Les frères Chapuisat - unmöglich machen. In ihrer Arbeit hat die Kunst ihren Raum sozusagen selbst versperrt. Anlässlich der Finissage am 2. Juni soll die Installation aber betretbar gemacht werden, und man wird - wie immer bei Les frères Chapuisat - überrascht sein.




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